across generations part II
Worum geht es im Projekt?
Urban Art am Parkplatz des Rhein-Museums Koblenz
Street Art gehört ins Stadtbild – sichtbar, zugänglich und mitten im Leben. Die künstlerische Gestaltung einer Wand am Parkplatz des Rhein-Museums Koblenz in Koblenz-Ehrenbreitstein durch regionale Street Art Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen unter der Leitung von Künstler Dennis Nußbaum ist Teil des städtischen Projekts „Urbane Kunst in Koblenz“. Es schafft kreative Orte, fördert kulturelle Teilhabe und lädt zur aktiven Mitgestaltung ein. Die Gestaltungsaktion fand am Samstag, 5. September 2026 von 19 bis 1 Uhr im Rahmen der Museumsnacht Koblenz und in Kooperation mit dem Rhein-Museum Koblenz statt. Ein Abend voller urbaner Kunst und kreativer Energie
Across Genererations Part II: Ehrenbreistein Live Painting
Konzept der Künstlerinnen und Künstler:
Unser Wandbild steht unter dem Leitgedanken „Panta Rhei(n)“ – ein Wortspiel aus Panta rhei („Alles fließt“) und dem Rhein als prägendem Symbol der Region. Der Fluss wird dabei zur Metapher für das Leben: Alles ist in Bewegung, alles verändert sich und entwickelt sich stetig weiter.
Passend dazu gestalten Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Generationen ein gemeinsames Mural. Jeder bringt seine eigene Bildsprache ein – ausschließlich mit figürlichen Motiven, Fantasiefiguren und Tieren, ganz ohne Schriftzüge. So entsteht ein lebendiger „Lebensfluss“, in dem sich verschiedene Charaktere und Perspektiven zu einem gemeinsamen Ganzen verbinden.
Thematisch möchten wir sowohl den Rhein als auch den Schriftsteller Joseph Breitbach aufgreifen. Nicht durch eine wörtliche Illustration seines Werkes, sondern durch die Auseinandersetzung mit den Themen Veränderung, Lebensweg und menschliches Miteinander, die sich mit dem Gedanken des Fließens verbinden lassen. Unsere eigene fantasievolle Bildsprache bildet dabei die gestalterische Grundlage.
Die verbindende Klammer, der hier vertretenen Künstler:innen ist ihre künstlerische Sozialisation im öffentlichen Raum. Das jahrelange Gestalten und Prägen dieses Raumes hat die unterschiedlichen Stile, Haltungen und Ästhetiken nachhaltig beeinflusst. Wie der Titel across generations andeutet, treffen verschiedene Perspektiven und Generationen aufeinander. Der hier gezeigte generationsübergreifende Dialog eröffnet dabei die Frage, wie wir öffentlichen Raum verstehen und uns aneignen. Und damit auch, wie wir unser Zusammenleben als Gesellschaft gestalten wollen.
📍 Wo:
Parkplatz Rhein-Museum Koblenz, Charlottenstraße 53a, 56077 Koblenz-Ehrenbreitstein
🎨 Urban Art - Dennis Nußbaum & Friends:
28 / e.97 / inka / monkey / obskur / spk / tome / wegz
Interpretation des Murals:
Dieses dynamische Mural verbindet Joseph Breitbachs rheinische Heimat und sein literarisches Schaffen durch symbolhafte Tiere und einen fließenden Gedankenstrom. Im Zentrum steht dabei die künstlerische Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft, personifiziert durch Porträts des jungen und älteren Autors sowie zentrale literarische Motive. Flankiert von kraftvollen Elementen und Sinnbildern für Ausbruch und Befreiung entsteht ein visuelles Denkmal für geistige Freiheit und menschliche Tiefe.
Als gestalterische Quelle dient das Porträt des jungen Joseph Breitbach, der sitzend seine ersten Ideen niederschreibt und seinen Gedanken freien Lauf lässt. An der Wand über ihm schaut das Porträt des älteren Ichs herab – als symbolischer Blick in die Zukunft, in dem er über sein eigenes Reifen und die Beständigkeit seines Schaffens nachdenkt. Daraus entspringt ein lebendiger Strom von Gedankenbildern, die sich direkt in den Motiven des Wandbildes entfalten.
Aus diesem Strom erwachen die zentralen Sinnbilder: Als lokales Element schlägt der Graureiher die Brücke zu Breitbachs rheinischer Heimat in Koblenz. Zugleich verkörpert der stille, wachsame Beobachter am Fluss die Rolle des Schriftstellers selbst, der als feinsinniger Chronist die gesellschaftlichen Strömungen und menschlichen Abgründe seiner Epoche festhielt.
Ihm gegenüber wacht ein Rabe, dessen Motiv sich auf die „Rabenschlacht“ bezieht, als mysteriöser Hüter über die verborgenen Geschichten von Joseph Breitbach und dem Rhein. Ein darüber platzierter Schlüssel symbolisiert dabei das unerschlossene Portal zu seiner tiefen Gedankenwelt und seiner Identität.
Die Dynamik des Stroms greift zudem ein Biber auf, der als Sinnbild für schöpferische Kraft energisch ins Geschehen drängt: Mit kraftvoller Bewegung bahnt er sich seinen Weg und hält fest entschlossen eine Flaschenpost voller rheinischer Geheimnisse in den Händen.
Der Blick in literarische Welten vertieft sich in der linken unteren Ecke, wo ein Porträt jenen Protagonisten aus Joseph Breitbachs Roman "Das blaue Bidet oder Das eigentliche Leben" zeigt. Er lässt in einer Knopffabrik sein bisheriges Dasein und den Druck der Routine hinter sich, um durch einen radikalen Ausbruch den Weg zu einem neuen Leben zu finden.
Diesem Thema der inneren Wandlung schließt sich der Einsiedlerkrebs an: Indem er den Vogel freilässt, zeigt er, dass selbst aus der innersten Zurückgezogenheit oder einem harten, schützenden Panzer heraus die radikale Freiheit des Geistes entstehen kann – ein kraftvolles Sinnbild für den kreativen Befreiungsschlag des Autors.

