Der Joseph-Breitbach-preis
Im Theater der Stadt Koblenz findet jährlich Ende September die feierliche Verleihung des Joseph-Breitbach-Preises statt. Der deutsch-französische Schriftsteller und Publizist Joseph Breitbach wurde 1903 in Koblenz-Ehrenbreitstein geboren. Er setzte sich unter anderem für eine Verbesserung der kulturellen und politischen deutsch-französischen Beziehungen ein.
Der Breitbach-Preis zählt zu den höchst dotierten Literaturpreisen in Deutschland.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.stiftung-joseph-breitbach.li/
Joseph-Breitbach-Preis 2026 wird an Jochen Schmidt verliehen

Die Stiftung Joseph Breitbach und die Akademie der Wissenschaften und der
Literatur | Mainz zeichnen den Schriftsteller Jochen Schmidt für sein literarisches Gesamtwerk mit dem Joseph-Breitbach-Preis 2026 aus.
»Jochen Schmidt«, so die Begründung der Jury, »ist einer der großen Alltagserkunder
in der deutschsprachigen Literatur. Seit er die Lesebühne ›Chaussee der Enthusiasten‹
mitbegründete, ist die gesprochene Sprache ein Hauptreservoir seiner Autorschaft,
ganz in der Tradition humoristischen Erzählens in der deutschen Literatur. In seinem
seit Jahrzehnten ständig wachsenden Werk lauscht er der unablässig verschwindenden
Gegenwart ihre Obsessionen, Illusionen und Ängste ab. Mit nicht nachlassender
Energie spürt er als leidenschaftlicher Lexikograph den allgegenwärtigen, den verblassten und verblassenden Redewendungen nach und inspiziert das Sortenlager von Objekten und Alltagsgeräten zwischen Ausrangiertem und neuester Technologie. In der Kurzprosa seiner Zeitungskolumnen und Blogtexte wie in den Erzählungen und Romanen, aber auch in seinen essayistischen Kommentaren zur Weltliteratur, ob sie Gontscharows ›Oblomow‹ vor Augen stellen oder sich dem Experiment täglicher Proust-Lektüre aussetzen, sind seine Ich-Figuren in ihrem Hier und Jetzt verankert. Eben dadurch tritt der Echoraum hervor, in dem sie stehen. Die literarische Wünschelrute Jochen Schmidts ist auf das sprechende Detail geeicht, das in der Wahrnehmung oder der Erinnerung hervortreten kann. So ist in seinem Werk ebenso unaufdringlich wie unverkennbar die Zeitgeschichte enthalten, von Nationalsozialismus und Krieg über den Widerschein der Bundesrepublik und ihrer Warenwelt in der ostdeutschen Kindheit bis zur alltagsprägenden Dynamik der Digitalisierung und den Imperativen der Selbstoptimierung, gegen die ihr Autor und seine Figuren sanft, aber beharrlich rebellieren.«
Jochen Schmidt, 1970 in Berlin geboren, hat Romanistik studiert und Auslandsaufenthalte in Brest, Valencia, Rom, New York und Moskau verbracht. Veröffentlichungen u.a. ›Triumphgemüse‹ (2000); ›Müller haut uns raus‹ (2002);› Schmidt liest Proust‹ (2008); ›Dudenbrooks‹ (2011); ›Schneckenmühle‹ (2013); ›Zuckersand‹ (2017); ›Ein Auftrag für Otto Kwant‹ (2019); ›Ich weiß noch, wie King Kong starb‹ (2021); ›Phlox‹ (2022); ›Zu Hause an den Bildschirmen‹ (2023); ›Hoplopoiia‹ (2025). Er wurde mit verschiedenen Preisen, Arbeits- und Werkstipendien ausgezeichnet, zuletzt erhielt er den Stahl-Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt.
Joseph-Breitbach-Preis
Nach dem Willen des am 9. Mai 1980 in München verstorbenen Schriftstellers Joseph Breitbach, der in Koblenz geboren wurde und in Paris gelebt hat, verleiht die Akademie gemeinsam mit der Stiftung Joseph Breitbach alljährlich einen Literaturpreis, den Joseph-Breitbach-Preis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz. Mit diesem Preis sollen deutschsprachige Werke aller Literaturgattungen ausgezeichnet werden. Der Preis wird seit 2003 in der Geburtsstadt Joseph Breitbachs, in Koblenz, verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträger:innen sind u.a. Frank Witzel, Anne Weber, Nora Bossong, Arno Geiger, Navid Kermani, Jenny Erpenbeck und Ursula Krechel.
Der Preis
Nach Inkrafttreten der Stiftung Joseph Breitbach wurde in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz der Joseph-Breitbach-Preis für deutschsprachige Schriftsteller 1998 zum ersten Mal verliehen.
Zum 100. Geburtstag von Joseph Breitbach fand im September 2003 die Preisverleihung in seiner Geburtsstadt Koblenz statt. Im Anschluss daran verständigten sich die Mainzer Akademie, die Stadt Koblenz und die Stiftung Joseph Breitbach darauf die Preisverleihung zukünftig jährlich in Koblenz auszurichten.
Das Kultur- und Schulverwaltungsamt organisiert und unterstützt gemeinsam mit der Sparkasse Koblenz und dem Theater Koblenz die Preisverleihung.
Auflistung der Preisträger:innen, die in Koblenz ausgezeichnet wurden
2026: Jochen Schmidt
2025: Frank Witzel
2024: Anne Weber
2023: Marion Poschmann
2022: Natascha Wodin
2021: Karl-Heinz Ott
2020: Nora Bossong
2019: Thomas Hettche
2018: Arno Geiger
2017: Dea Loher
2016: Reiner Stach
2015: Thomas Lehr
2014: Navid Kermani
2013: Jenny Erpenbeck
2012: Kurt Flasch
2011: Hans Joachim Schädlich
2010: Michael Krüger
2009: Ursula Krechel
2008: Marcel Beyer
2007: F. C. Delius †
2006: Wulf Kirsten †
2005: Georges-Arthur Goldschmidt
2004: Raoul Schrott
2003: Harald Weinrich † / Herta Müller / Christoph Meckel
2002: Robert Menasse † / Erika Burkart † / Elazar Benyoëtz
2001: Dieter Wellershoff † / Ingo Schulze / Thomas Hürlimann
2000: Markus Werner † / W.G. Sebald † / Ilse Aichinger †
1999: Rainer Malkowski † / Wolf Lepenies / Reinhard Jirgl
1998: Brigitte Kronauer † / Friedhelm Kemp † / Hans Boesch †
Stadtverwaltung Koblenz
Kultur- und Schulverwaltungsamt
Willi-Hörter-Platz 1
56068 Koblenz
Rebekka Jachmig
